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enn ich über Düfte berichten möchte, muss ein kleines Duft ABC her. Sobald ich merke, dass es zu einem bestimmten Parfum Thema immer wieder Fragen gibt, werde ich sie hier aufnehmen und beantworten.
Fangen wir aber erst einmal mit dem Basiswissen an:

Woraus besteht ein Duft?

Die nackten Tatsachen eines Duftes: in der Regel macht schon alleine 80% eines Duftes der Alkohol allein aus, der die Rolle eines Binders spielt. Er bindet den Duft auf der Haut, als auch die Riechstoffe untereinander, die den nächsten bedeutsamen Teil eines Duftes ausmachen.

Riechstoffe können natürliche und/oder synthetische Essenzen sein. Letztere werden am meisten für die Duftkreation verwendet, da sie deutlich günstiger sind, als natürliche.
Riechstoffe auf pflanzlicher oder tierischer Basis sind heute auch noch vorhanden, jedoch immer seltener, da sie alleine in der Herstellung sehr kostspielig sind! Man muss sich vorstellen, dass natürliche Inhaltsstoffe sehr schwer zu Extrahieren sind. Das allein kostet den Parfumhersteller sehr viel Geld. Dazu kommt die Rarität der Ressource und schon kann es sein, dass wenige kg eines Inhaltstoffes mehrere Tausend Euro kosten können. Würde man so arbeiten, könnten sich heutzutage noch weniger Menschen schöne Düfte leisten.

Deshalb nutzt man natürliche Inhaltsstoffe lieber für die Herstellung exklusiver Nischendüfte, wie z.B. das Le Parfum Coffret aus dem Jahre 2006 von Thierry Mugler, welches die 15 Essenzen Grenouille’s beinhalten soll. Ein künstlerisches Meisterwerk, aber ich würde davon absehen es riechen zu wollen. Das Buch von Patrick Süskind hat mir gereicht.

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Was sind Duftnoten?

Neben den Grundinhaltsstoffen spielen die allbekannten Duftnoten eine wichtige Rolle. In der Reihenfolge, wie wir sie beim Aufsprühen eines Duftes wahrnehmen, sind es drei:

  • Kopfnote · Die Kopfnote enthält die Akkorde, die wir als Erstes wahrnehmen und die darüber entscheiden, ob uns ein Duft gefällt oder nicht. Sie besteht aus leichten, intensiven & schnell flüchtigen Riechstoffen, deren Aura nicht länger als einen Tag hält. Für Kopfnoten werden meist leichte Akkorde gewählt, wie z.B. Zitrus, Minze, Orangenblüte, Bergamotte oder Neroli…
  • Herznote · Die Herznote entfaltet ihre Präsenz nachdem die Kopfnote sich verflüchtigt hat. Dies kann oft einige Stunden dauern. Im Herz treffen alle Duftakkorde aufeinander und bestimmen die Richtung eines Duftes – hiernach kann man letztendlich entscheiden, ob ein Duft schwer, leicht, süßlich oder auch pudrig ist. Die Aura kann sich bis zu 3 Tage lang halten. An Akkorden ist dem Duftcreateur hier freie Bahn gelassen.
  • Basisnote · Die Basisnote bildet das Fundament des Parfüms. Dieses besteht aus schweren, tierischen und holzigen Akkorden. Es entscheidet auch über die Haltbarkeit* eines Parfüms. Dieser Teil des Duftes kann an dem parfümierten Gegenstand/ Kleidungststück bis zu eine Woche haften.

Ausnahmen: es gibt natürlich einige Düfte, die nicht den klassischen „Duftpyramiden“-Aufbau haben. So zum Beispiel Eau de Cologne und Splash Colognes. Hier wird besonders viel Wert auf intensive Kopfnoten aus Zitrusdüften & deren passende Herznoten gelegt – auf die Basisnote wird komplett verzichtet.

Den Übergang zwischen den Duftnoten genauestens wahrzunehmen, ist für unsere Nasen fast unmöglich. Der Übergang ist nahezu „fließend“ und ich denke, dass das nur geschulte Nasen können. Wir können jedoch den Unterschied im Allgemeinen wahrnehmen, dadurch, dass wir z.B. an dem Teststreifen nach einiger Zeit nochmal schnuppern und den Unterschied erkennen.

Was sind Molekular-Düfte?

Eine weitere Ausnahme zur klassischen, französischen Duftlehre bilden heutzutage Molekular-Düfte. Sie sind in der Regel modern und  minimalistisch aufgebaut. Zwei Beispiele sind Escentric Molecules von Geza Schön und die Düfte der Marke Zarkoperfume vom dänischen Parfumeur Zarko Ahlmann Pavlov.

Geza Schön bringt pro Linie zwei Düfte raus: in seiner ‚Molecule‘-Reihe lässt er nur ein einziges Molekül zu (es gibt sogar Menschen, die das Iso-E-Super in Molecule 01 gar nicht wahrnehmen können). Die ‚Escentric‘ Reihe hingegen bildet die „Formel“ aus dem Molekül und ergänzenden Duftstoffen, die das Molekülspiel erheben.
Zarko wiederum legt viel Wert auf nordische, skandinavische Kompositionen, die sich zu einem Meisterwerk auf der Haut entwickeln.

Mein Tipp: bevor ihr einen Molekülduft kauft, lasst ihn euch auf die Haut auftragen und beobachtet ihn den ganzen Tag. Vermischt ihn nicht mit anderen Düften! Molekular-Düfte riechen nämlich auf jeder Haut anders.

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Alles rund um die Haltbarkeit eines Duftes:

Die Haltbarkeit eines Duftes hängt von seiner Zusammensetzung ab. Dort spielen schon kleinste Mengenänderungen des Alkohols oder Konzentrationsunterschiede der Essenzen eine ausschlaggebende Rolle. Wir haben in unserem Sprachgebrauch drei Beschreibungsmöglichkeiten zur Haltbarkeit eines Parfums:
die Sillage, die Projektion/die Aura und der Drydown, wie die Franzosen es nennen, das Notes de Fond.

Sillage bedeutet übersetzt Kielwasser; gemeint ist damit der Duftschleier, den man hinterlässt, wenn man einen Raum verlässt, und ein anderer Ihn betritt. Angenommen: eine Dame war vor dir im Aufzug, verlässt ihn ein Stockwerk bevor du einsteigst, der Aufzug hält auf deiner Etage, du steigst ein und riechst immer noch ihren Duft. Ich würde dann behaupten, dass die Sillage des Duftes sehr ausgeprägt sein musste.

Projektion oder Aura beschreibt den Radius/ die Reichweite eines Duftes. Stell dir vor, du besprühst einen Punkt deines Handgelenks und schnuüüerst daran. Wenn die Duftintensität beim Entfernen der Nase vom Handgelenk abnimmt, ist dort das „Ende“ des Duftes. Du kannst es dir auch vorstellen, in dem Du einen imaginären Kreis um dich ziehst und somit die Reichweite deines Parfums darstellst. Alles was sich im Kreis befindet, ist die Projektion bzw Aura.

Drydown (Notes de Fond) beschreibt den Geruch in seiner Endphase und das, was man dann noch riecht, nämlich das Übrige der Basisnoten. Das riecht man zum Beispiel am Schal, wenn man ihn am nächsten Tag um den Hals legt.

 

to be continued…

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